(R) Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

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Autor: Matt Haig
Originaltitel: Reasons to stay alive
Preis: 18,90 € (Hardcover)
Seitenanzahl: 304
← ©/Verlag: dtv
Erschienen: 18. März 2016
Wertung: 5 von 5 Lesekatzen
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»Ich habe dieses Buch geschrieben, weil letztendlich doch etwas dran ist an den uralten Klischees: Die Zeit heilt alle Wunden, und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn wir es zunächst nicht sehen können. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.« Matt Haig 


»And anxiety isn't just worrying about something too much.
It's worrying continually, unable to do anything but feel fear.«
Matt Haig

Meiner Meinung nach kann kaum jemand den Kampf gegen die Depression nachvollziehen, der sie nicht am eigenen Leib erlebt hat. Nachdem ich von "Ich und die Menschen" schon so begeistert und berührt war, musste das neue Buch meines Lieblingsautors auch gleich besorgt werden; Auch, weil mich das Thema Depression selbst betrifft. Matt Haig hilft mit seinem Roman (oder auch "Ratgeber", sowie "Biografie") Außenstehenden dabei, Depressionen zu verstehen und zeigt mit "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben", dass sie nicht alleine damit sind.

»Vielleicht haben die Evolutionspsychologen recht.
Vielleicht haben wir Menschen uns zu weit entwickelt.
Vielleicht hat die Intelligenz, die uns zur ersten Spezies macht, die sich des Universums um sich herum bewusst ist, einen Preis:
die Fähigkeit, auch die Finsternis eines ganzen Universums zu spüren.« -Seite 52

Ich wurde während dem Lesen unter anderem auch mit meinen Depressionen zusätzlich konfrontiert. Matt Haigs Roman hat viel in mir aufgewühlt, aber durch seinen einzigartigen Humor habe ich sehr oft gelacht - Leser, die durch Depressionen gegangen sind oder immer noch gehen, können bei den Anspielungen und dem Humor über die Krankheit doch noch ein bisschen mehr lachen wie Leser, die noch keinerlei Erfahrungen mit dem Thema hatten. Matt Haig hält in seinem Buch die gewisse Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor - dass er das gut kann, hat er auch schon in "Ich und die Menschen" bewiesen.

»Das Einzige, was wir im Moment tun können, ist auch das Einzige, was wir wirklich tun sollten - in uns hineinhören. Wenn wir wollen, dass es uns besser geht, ist das Einzige, worauf es ankommt, das, was uns hilft. Wenn uns etwas hilft, müssen wir nicht fragen, warum.« - Seite 97

Matt Haig wirft in seinem neuen Buch auch die Frage auf, ob Depressionen nur Schlechtes hervorbringen. Meine persönliche Meinung: Nein! Die Depressionen und die dadurch entstandenen Hürden, die ich überwinden musste und jeden weiteren Tag überwinde, haben mich - meiner Meinung nach - zu einem besseren Menschen gemacht; zu einem verständnisvolleren und hilfsbereiteren Menschen - und darauf bin ich sehr stolz. Auch aus Matt Haig hat die Depression und die Angst viel Gutes herausgeholt: er erzählt unter anderem, dass er ohne die Depressionen wahrscheinlich kein Schriftsteller geworden wäre.

»Ich hasse die Depression. Sie macht mir Angst. Entsetzliche Angst sogar. Doch gleichzeitig hat sie mich zu dem gemacht, der ich bin. Und wenn das - für mich - der Preis dafür ist, das Leben zu spüren, dann zahle ich ihn gern. Ich bin froh, dass ich bin.« - Seite 266

Stellt euch eurer Angst; jeden Tag - in kleinen Schritten. Matt Haig macht Hoffnungen, hat mich mehrmals zum Lachen und Nachdenken gebracht. Ich hab mich verstanden gefühlt. Bei gewissen Krankheitssymptomen, die die Depressionen mit sich bringen, fühle ich mich oft ausgeschlossen - anders - und da beruhigt es mich ein bisschen, dass ich mit manchen Eigenarten und Problemen doch nicht ganz allein bin.

»Das Leben ist schwer. Es kann schön sein und wunderbar, aber es ist auch schwer. Die meisten Menschen kommen irgendwie damit zurecht, indem sie nicht zu viel darüber nachdenken. Andere können das nicht.« - Seite 116

Mein Exemplar besteht eigentlich nur aus Klebezetteln. Es gibt so viele wunderschöne und witzige Stellen. Um die teils düstere Stimmung etwas aufzulockern, gibt es zwischendurch Auflistungen wie: Fakten zu Depression; Dinge, die du während deiner ersten Panikattacke denkst; Dinge, die du während deiner tausendsten Panikattacke denkst; Meine Symptome; Dinge, für die man mir mehr Mitgefühl entgegenbrachte als bei der Depression.
Diese Kapitel haben mich eher zum Schmunzeln gebracht und waren meiner Meinung nach sehr interessant und informativ - und haben mich dadurch immer wieder von dem zu tiefen Nachdenken "befreit".

»Depression ist auch ... Kleiner als du. [..] Sie ist in dir, du bist nicht in ihr. [..] Du warst vor ihr da. Die Wolke kann nicht ohne den Himmel existieren, aber der Himmel kann ohne die Wolke existieren.« - Seite 212

Mir gefällt die Vorstellung, dass das Buch nicht nur Betroffenen hilft, sondern diese auch die Möglichkeit haben das Buch ihren Angehörigen in die Hand zu drücken und zu sagen: "Vielleicht verstehst du so besser was in mir vorgeht". Nachdem ich "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" beendet hatte, habe ich es meiner Mutter zum Lesen gegeben. Ich hoffe, dass sie mich so ein bisschen besser verstehen kann.

»In dieser Situation ist es eine riesige Hilfe, Menschen zu haben, die dich lieben und die du liebst. Es muss keine romantische Liebe sein, nicht einmal familiäre Liebe. Sich zu zwingen, die Welt durch die Augen der Liebe zu sehen, kann gesund sein. Liebe ist eine Einstellung zum Leben. Sie kann uns retten.« - Seite 236

Eine klare Leseempfehlung von mir! Ich freue mich auf das nächste Werk meines Lieblingsautors Matt Haig. An meinen "dunklen" Tagen nehme ich das Buch zur Hand, denn mit "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" hat Matt Haig definitiv eins bewiesen: Es gibt Licht am Ende des Tunnels; und egal wie schwer der Weg auch sein mag, ich kann nur gewinnen. 

»Um aus meinem Buch Ich und die Menschen zu zitieren: "Dein Geist ist eine Galaxie. Mehr Dunkel als Licht. Doch es ist das Licht, wofür sich alles lohnt. Soll heißen: Bring dich nicht um. Auch wenn du scheinbar von totaler Finsternis umgeben bist. Denk immer daran, dass das Leben nie stillsteht. Zeit ist Raum. Durch diese Galaxie bewegst du dich. Warte, bis die Sterne kommen."« - Seite 140


Meine #reasonstostayalive
Meine Mama, meine Hündin, meine Katze, mein aktuelles Ziel


»Ich hatte einen Grund, mich zum Starksein zu zwingen. Mich in Situationen zu begeben, die ich normalerweise vermieden hätte. Du musst raus aus der Komfortzone. Du musst leiden.« - Seite 184

»[Wir] haben nur diese eine Welt. Und wenn wir genau hinsehen, ist die Welt der Waren und Werbung nicht das wirkliche Leben. Das Leben sind die anderen Dinge. [..] Und wenn es uns langsam besser geht, wenn wir wieder leben, dann sehen wir das Leben mit neuen Augen. Vieles wird klarer, und wir achten auf Dinge, auf die wir vorher nicht geachtet haben.« - Seite 221

»Im Buddhismus kommt die Erlösung nicht von außen. Um glücklich zu sein und im Frieden mit uns [..] müssen wir wachsam sein und uns unserer selbst bewusst.« - Seite 272




Herzlichen Dank an den dtv Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Meine liebe Lesekatze,

    eine sehr schöne Rezension hast du da geschrieben. Vielleicht warst du ein wenig großzügig mit den Zitaten, aber das muss nicht unbedingt schlecht sein. ;) Und auch deine Sorge, die Rezension könne zu emotional sein, war vollkommen unbegründet! Du hast genau das richtige Maß gefunden. :)
    Mal sehen, wann ich mir dieses Buch krallen werde. Ich fürchte, ich werde es nicht auslassen können. :) Dabei ist mein SuB soooo hoch! T_T

    Liebste Grüße
    Lisa <3

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    1. Liebste Lisa, vielen Dank für deinen Kommentar! :)
      Ja, ich weis - aber ich konnte mich von keinem der Zitate trennen..
      Ich freue mich sehr, dass dir die Rezension gefällt! :)
      Du solltest es wirklich bald lesen ;) In ein paar Monaten erscheint schon der nächste Matt Haig Roman! Hab mir das Datum schon rot im Kalender angestrichen ^^
      Liebste Grüße,
      Lesekatze

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